
Kohlenstraße, St. Ingbert © Ursula Hubertus, ADFC St. Ingbert
Umgestaltung der Innenstadt St. Ingbert
In St. Ingbert gibt es im Bereich Radinfrastruktur einige Neuigkeiten. Beispielsweise wurde die Ludwigstraße endlich für den gegenläufigen Radverkehr geöffnet. Andere Umbauten wirken sich leider negativ auf die Mobilität mit dem Rad aus.
Im Hinblick auf den geplanten Kaiserradweg stand die gegenläufige Befahrbarkeit der Poststraße für den Radverkehr als Ost/West-Achse durch St. Ingbert im Raum. Der Wegfall einer Autospur in dieser Straße wurde davon abhängig gemacht, dass die parallel dazu verlaufende Kohlenstraße für den Autoverkehr gegenläufig befahrbar wird. Diese umfangreichen Umbaumaßnahmen sind nun abgeschlossen. Dass in diesem Zusammenhang die Ludwigstraße, die die beiden Straßen verbindet, nun in beiden Richtungen für den Radverkehr befahrbar ist, begrüßt der ADFC St. Ingbert sehr, denn damit wurde eine langjährige Forderung von uns umgesetzt.
Die Befahrbarkeit der Poststraße in beiden Richtungen per Rad vereinfacht die Durchquerung der Innenstadt erheblich, zumal die Ampelschaltungen m. E. fahrradfreundlich gestaltet sind. Allerdings weist die Umsetzung einige Mängel und Gefahren auf. So gibt es zahlreiche Parkplatzein- und -ausfahrten, die den Radverkehr gefährden, bei der Einfahrt zum Stadtpark wird man in spitzem Winkel auf den Bürgersteig geleitet, der nicht abgesenkt ist, die Piktogrammkette ist sehr nah am rechten Rand, so dass man keinen Sicherheitsabstand einhalten kann, wenn man sie befährt. Die aus den Einmündungen Rickert-Straße und Busbahnhof nach links abbiegenden Fahrzeuge drohen die auf dem Radstreifen an ihrer Ampel wartenden Radler umzufahren, da die Haltelinien zu nah am Kreuzungsbereich sind. An der Ampel in der Saarbrücker Straße fehlt eine Aufstellfläche, um über die Schlachthofstraße in die Poststraße zu gelangen.
Die Anbindung der östlichen und nördlichen Stadtteile ans Zentrum wurde ebenfalls verbessert. Die Einfahrt in den Neunkircher Weg in Richtung Osten ist nun endlich legal möglich. Hier wurde ein deutlich rot markierter Radstreifen angelegt.
Ganz anders sieht es mit der neuen Radinfrastruktur in der Kohlenstraße aus. Diese wurde ausschließlich autozentriert im Stil des letzten Jahrhunderts gebaut: Kombinierter, benutzungspflichtiger Fuß-/Zweirichtungs-Radweg, der die Mindestmaße erheblich unterschreitet. An dessen Ende soll die Rückführung auf die Straße über eine Drückeampel erfolgen. Seltsame Markierungen auf der Fahrbahn, die zu einem Umweg in Richtung Norden verleiten, Masten mitten auf dem Weg, unübersichtliche Abbiegeregeln i. R. Ludwigstraße und die Markierung eines Schutzstreifens dicht entlang von Querparkenden Autos machen dem Radverkehr das Leben schwer und setzen ihn Gefahren aus.
Die Befolgung dieser Regeln ist nicht nur gefährlich, sie ist auch mit einem erheblichen Zeitverlust verbunden. Die Beschilderung „Gehweg - Radverkehr frei“ und Tempo 30 wären hier sehr viel sinnvoller, zumal der Lärmaktionsplan schon bereits Jahre vor dem Umbau Tempo 30 als Gegenmaßnahme empfiehlt.
Verstärken werden sich die Probleme für den Radverkehr in der Kohlenstraße noch durch deutlich gestiegenen Autoverkehr und Lärm, der in naher Zukunft wohl noch weiter ansteigen wird, sobald sich die neue Gegenläufigkeit etabliert hat.

