Ludwigskreisel in Saarbrücken

Ludwigskreisel in Saarbrücken © Thomas Fläschner

Eine weitere phantasielos vertane Chance in Saarbrücken

 

Die Kosten für den Umbau des Ludwigskreisels sind höher als die jährlichen Gesamtkosten zur Förderung des Radverkehrs!

 

Die Landeshauptstadt beginnt in diesen Tagen mit dem Umbau des Ludwigskreisels. Mit sehr großzügiger finanzieller Unterstützung durch die Landesregierung soll der Kreisverkehr um eine zusätzliche Fahrbahn erweitert werden, veranschlagte Kosten: 1,3 Mio. Euro. Anlass der Baumaßnahme ist die Errichtung neuer Bürogebäude im Quartier Eurobahnhof, weshalb ein erhöhtes Verkehrsaufkommen erwartet wird. Mehrere Umwelt- und Verkehrsgruppen sehen in dieser Baumaßnahme allerdings ein völlig falsches Signal. Die in Saarbrücken dringend nötige Verkehrswende, zu der sich auch die regierenden Parteien (CDU, Grüne, FDP) in ihrem Koalitionsvertrag bekannt hätten, würde durch das Vorhaben konterkariert. Hier koste der Umbau einer einzigen Verkehrsanlage mehr, als für die Förderung des Radverkehrs insgesamt für ein Jahr im Bereich der Landeshauptstadt zur Verfügung stehe, kritisieren ADFC, BUND, Fridays for Future, FUSS e.V., Parents for Future, Radelkollektiv und der VCD.

Die Verbände und Gruppen sehen außerdem eine „riesige Chance vertan“. Es gäbe kaum ein so gut an den Öffentlichen Nahverkehr angeschlossenes Gewerbegebiet wie das Quartier Eurobahnhof. Zum Bahnhof, zum Saarbahn-Haltepunkt und zu den Bushaltestellen seien es nur wenige Schritte. Für 1,3 Mio. Euro hätten Stadt und Land in diesem Bereich beispielhaft zeigen können, wie gute Ansiedlungspolitik im Zentrum einer Großstadt auch ohne mehr Autoverkehr funktionieren kann. Wenn nun die Anfahrt mit dem Auto noch erleichtert werde, drohe sogar, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der im Quartier Eurobahnhof ansässigen Unternehmen wieder aufs Auto umsteigen würden. Auch sei zu erwarten, dass der Parkdruck im angrenzenden Wohngebiet Rodenhof weiter unnötig steigen werde.

Angesagt sei vielmehr verkehrsplanerische Kreativität und städtebaulicher Weitblick. So könnten öffentliche ebenso wie private Arbeitgeber ihre Angestellten durch Jobtickets attraktive Angebote für den öffentlichen Verkehr machen. Ein Vorreiter hierfür sei das Land Hessen, das allen seinen Beschäftigten das kostenlose Landesticket bereitstelle. Die Gruppen haben aber auch noch andere Ideen zu bieten, z.B. einen überdachten Gehweg entlang der Europaallee, ein Leihrad- und -rollersystem, autonom fahrende Minibusse im Quartier, einen Ausbau der Fahrradboxen am Nordeingang des Bahnhofs, den Ausbau der Radwege zum Eurobahnhof über den Ludwigskreisel (einschließlich einer intelligenten Ampelschaltung, die nicht bloß den Autoverkehr optimiert, sondern auch dem Rad- und Fußverkehr angemessene Querungszeiten offeriert). Auch wenn an einigen Stellen kleine Verbesserungen für den Radverkehr angedacht seien, laufe die Gesamtplanung in die völlig falsche Richtung.

Die Gruppen rufen deshalb zu einem Baustopp auf, um noch einmal und dann unter Bürgerbeteiligung über das Vorhaben nachzudenken. Die gewonnene Zeit könne auch dazu verwendet werden, einen Blick in den vor noch nicht einmal fünf Jahren vom Stadtrat gemeinsam verabschiedeten Verkehrsentwicklungsplan zu werfen, in dem die Idee einer Erweiterung des Kreisels wegen ‚städtebaulicher Zerschneidungswirkung‘ als nicht zu rechtfertigender ‚Eingriff in Natur und Umwelt‘ abschlägig beschieden wird.

Und nicht zuletzt widerspreche die Planung den zukunftsorientierten Beteuerungen der beteiligten Verantwortlichen bei der Ausrufung des Klimanotstands in Saarbrücken. Mit dem Klimanotstand hat sich der Stadtrat verpflichtet, die Auswirkungen auf das Klima bei allen Entscheidungen zu berücksichtigen. In der Verwaltungsvorlage für die Baumaßnahme fehle jedoch die geforderte Betrachtung der ökologischen und Klima-Folgen. Für die Verbände ein klares Versäumnis, für das sie sich eine Erklärung wünschen.

 

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  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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