Gleis der Merzig-Büschfelder Eisenbahn nahe Bachem

Gleis der Merzig-Büschfelder Eisenbahn nahe Bachem © Bernhard Lauer

Kein Radweg auf der Trasse, solange die Bahn eine Chance hat

 

Der ADFC positioniert sich eindeutig für die Mobilitätswende, die nur durch eine Verknüpfung von starkem ÖPNV mit gut ausgebauter Radinfrastruktur gelingen kann.

 

Der ADFC sieht einen flächendeckend verfügbaren, attraktiven ÖPNV als das Rückgrat eines umweltverträglichen Mobilitätssystems an. Während Fahrrad und Bus für kürzere Strecken und die „letzte Meile“ stehen, kommt der Bahn die tragende Rolle auf längeren Wegen im Regionalverkehr zu.
Im relativ dünn besiedelten nördlichen Saarland besteht mit der Reaktivierung der Bahntrasse Merzig-Niederlosheim die Chance auf eine Anbindung des vorderen Hochwaldraums an die wirtschafts- und einwohnerstarken Ballungsräume Saarlouis, Saarbrücken und Trier bei deutlich gesteigertem Komfort und kürzeren Fahrzeiten als bei den bislang vorhandenen Busverbindungen. Für viele Pendler aus dem und in den Raum um Losheim, Nunkirchen und Weiskirchen kann sich damit erstmals der ÖPNV als Verkehrsmittel in den Vordergrund stellen.
Zudem ist die Verlagerung von Güterverkehren des Unternehmens Homanit und weiterer Trassenanrainer denkbar, welche neben der Umwelt auch unmittelbar den umliegenden Ortschaften durch teilweise Entlastung vom Lkw-Verkehr zugute kommen würde.

Eine laufende Machbarkeitsstudie im Auftrag des saarländischen Verkehrsministeriums soll im Sommer 2023 fertiggestellt werden und eine qualifizierte, dem anerkannten Stand der Technik entsprechende Beurteilung über den Aufwand und den erwartbaren Nutzen der Reaktivierung mehrerer Bahnstrecken im Saarland liefern.
Erst wenn diese Studie vorliegt, lässt sich eine sachlich gerechtfertigte Entscheidung über die zukünftige Verwendung der Bahntrasse treffen. Zum jetzigen Zeitpunkt sind aus unserer Sicht Forderungen nach einem Rückbau oder Überbau der Trasse mit einem Radweg nicht zielführend.
Um es deutlich zu sagen: Die Aufgabe einer potentiell nutzbringenden Bahntrasse – und diese wäre höchstwahrscheinlich endgültig – wäre ein zu hoher Preis für einen durchgehenden Radweg, der in näherungsweise ähnlicher Güte (= mit geringen Abstrichen) auch abseits der Trasse entstehen könnte.

 

Wofür steht der ADFC in Sachen Bahntrasse Merzig-Niederlosheim?

Der ADFC Merzig setzt sich für die Schaffung und die Aufwertung von hochwertigen, alltagstauglichen Radwegeverbindungen ein, steht aber auch für die Mobilitätswende, die unserer Ansicht nach nur durch eine Verknüpfung von starkem ÖPNV mit gut ausgebauter Radinfrastruktur gelingen kann. Vorrang hat daher der Erhalt und die Reaktivierung der Bahntrasse für Personen- und Güterverkehr, wenn diese als nutzbringend bewertet wird und finanzierbar ist.
Wir begrüßen die aufkommende Diskussion, auch mit Blick auf die notwendige Verzahnung von Rad- und öffentlichem Nahverkehr, und rufen alle Akteure in der Debatte zu einem sachlichen und fairen Umgang miteinander auf.

 

Was könnte ein Bahn-Radweg innerhalb der Stadt Merzig bewirken?

Würde man, wie von der Merziger Verwaltung schon vor mehr als sechs Jahren angeregt, den innerstädtischen Teil der MBE für einen Fahrradweg nutzen, könnte eine direkte Verbindung für die östlich gelegenen Stadtquartiere zum Bahnhof und zu den dort stationierten Schulen entstehen. Für einen Teil der auf dem Rad zurückgelegten Wege wäre dies sicherlich von Nutzen.
Wir warnen aber gleichzeitig davor, die Erwartungen an einen solchen Weg zu hoch anzusetzen, denn die wichtigsten und vielleicht auch schwierigsten Hausaufgaben sehen wir im Abbau der Barrieren zwischen der MBE-Trasse und der Innenstadt. Gemeint sind damit insbesondere die sehr stark befahrenen Straßen Am Gaswerk, Hochwaldstraße, Torstraße. Hinzu kommt die Trierer Straße als weitere Ein- und Ausfallstrecke.
Die dort liegenden Herausforderungen hinsichtlich Überqueren und Fahren im Mischverkehr müssen in jedem Falle bewältigt werden, um dem Stadtkern aus Sicht der Radfahrenden den Schrecken zu nehmen und alle Stadtquartiere sicher und intuitiv nutzbar miteinander zu verknüpfen.

 

Was im Falle einer Reaktivierung erst in 10 oder 20 Jahren?

Auch bei einer in Aussicht gestellten Reaktivierung für den Bahnverkehr müssten die Radfahrenden in der Region nicht auf eine hochwertige Verbindung zwischen den Mittelzentren Merzig und Losheim verzichten (siehe folgender Abschnitt).

Bei einer längeren zeitlichen Perspektive könnte unter Umständen auch ein auf die Bahntrasse gelegter Radweg für eine Trassensicherung zur späteren Reaktivierung sorgen.

 

Wie könnte die Alternative für eine direkte Radwegverbindung Merzig-Losheim aussehen?

Die praktikabelste bestehende Verbindung verläuft von Merzig aus durch den Rotensteiner Weg, durch Brotdorf, Jungenwäldchen und Bachem, verläuft dann bis zur Heimlinger Straße (Losheim) überwiegend in geringem Abstand parallel zur Bahntrasse. Der Weg folgt zu einem großen Teil der günstigen Topografie der Bahntrasse, besitzt also nur wenige starke oder überflüssige Anstiege. Mit einer (teilweisen) Oberflächenerneuerung der Heimlinger Straße auf rund 1200 Metern, der Verbesserung der Tragfähigkeit des Waldweges auf etwa 800 Metern und dem Neubau eines 400 Meter langen Abschnitts am Ortsrand Bachem ließe sich der Weg auf Losheimer Gemeindegebiet deutlich aufwerten. Auf Merziger Gebiet, zum Teil im Verantwortungsbereich des Landesbetriebs für Straßenbau, wäre eine Aufwertung des fahrbahnbegleitenden Weges im Bereich Brotdorf-Jungenwäldchen samt Querungshilfe am Ortseingang vonnöten. Eine Umgestaltung des Rotensteiner Weges (Merzig) als Fahrradstraße würde dem schon heute dort starken Fahrradverkehr Rechnung tragen und auch zu den verkehrsstarken Tageszeiten für weitere Beruhigung sorgen.

 

Wie könnte es mit dem Bahnbetrieb des MECL weitergehen?

Es steht uns nicht zu, eine Einschätzung über die Zukunft des MECL zu treffen. Außer Frage stehen aber die Verdienste des Vereins, der über Jahrzehnte die regionale Eisenbahnkultur gepflegt und mit seinen Fahrten und Veranstaltungen unzähligen Menschen eine Freude bereitet hat.
Es wäre völlig falsch, die MBE-Trasse primär im Sinne eines Museumsbahnbetriebs zu betrachten. Dennoch sehen wir die realistischste Chance auf zukünftige Museumsbahnfahrten im Rahmen von Sonderfahrtagen, eingebettet in einen regulären Personenverkehr.


Bernhard Lauer und Pascal Bies
Sprecher ADFC-Ortsgruppe Merzig

 

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https://saarland.adfc.de/artikel/kein-radweg-auf-der-trasse

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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